Wir bauen ein Haus. Ohne Keller. Mit Mini-Dachboden. Im Moment existiert es nur auf Zeichnungen. Ich liebe es, mir vorzustellen, wie es sein wird. Vor kurzem stand ich in der ausgehobenen Baugrube – die mir auf einmal viel kleiner vorkam als in dem Plan der Architektin.

Da bekam ich leichte Panik. Wohin mit unserem ganz Zeug? Ich dachte an unseren Keller (es graust mir jedes Mal, wenn ich ihn betrete). Den Wandschrank. Die Ecken und Stellen unter Betten, hinter Schränken, wo sich im Laufe der Jahre so einiges angesammelt hat.

Brauche ich das wirklich alles noch? Passt das in dieses neue, tolle Haus? Will ich meinen Umzugshelfern zumuten, das alles von A nach B zu schleppen? Einige Kartons vom letzten Umzug stehen immer noch unausgepackt im Keller.

Ein tiefer Seufzer half erstmal. Und ein gutes Glas Rotwein. Mein Entschluss stand fest. Ich hatte genug!
Und inmitten dieser Schrecklichkeit hatte ich eine Erkenntnis. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Es war Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen. Ich wollte nicht mehr, dass mein Kram mich beherrscht. Sondern ich meinen Kram.

Der Entschluss stand fest: Es war Zeit, endlich auszumisten.

Das wollte ich eigentlich schon eine ganze Weile. Aber es brauchte wohl diesen Impuls, unsere Wohnung zu verlassen, in der wir seit fast vier Jahre leben. Gesagt, getan.

Dabei habe ich mich nicht nur von überflüssigen Sachen getrennt, ungetragenen Klamotten und ungenutzten Haushaltsgeräten. Ich ließ ganze Lebensepochen, ganze Klassen von Dingen, komplette Möbelrichtungen (ja genau, meine IKEA-Möbel aus Studienzeiten) los und alles, was mit ihnen zusammenhing.

Und durch diesen Prozess hatte ich mehrere Erleuchtungen, die mich überzeugten, dass ich das Richtige tat.

Hier sind meine vier Mir-geht-ein-Licht-auf-Momente:

Erleuchtung 1: Wir brauchen nur die Dinge für das Leben, das wir leben wollen

Was meine ich damit?

Zum Beispiel hatten wir unglaublich viele Sachen für die Lebensphasen, die wir mal hatten.

Als mein Mann und ich zusammengezogen sind, hatten wir reichlich Dinge doppelt. Zwei Haushalte eben. Bei den Möbeln waren wir uns relativ schnell relativ einig. Aber unglaublich viel Geschirr, Tupperware, Gläser, Schüsseln unterschiedlicher Größe, Werkzeuge (ja, auch ich hatte eine Stichsäge), ungenutzte Sportartikel (ein niegelnagelneuer Scooter, Terrabänder & Co.) verschwanden in den Tiefen unseres Kellers. Man weiß ja nie. Außerdem werden die Jungs ja irgendwann groß und können das alles bestimmt gebrauchen. Pustekuchen!

Oder die Partys, die wir schmeißen. Da braucht man doch bestimmt jede Menge Gläser, Geschirr und so. Ehrlich gesagt, war das zum Teil auch so. Aber die tatsächliche Menge steht in einem dafür auserkorenen Kellerregal. Und der Rest ist immer noch eingepackt in Packpapier in stabilen (keller-feuchten) Umzugskartons.

So, diese alten Lebensphasen sind jetzt … verschwunden. *Seufz*

Ich hatte auch Dinge für den Lebensstil, mit dem ich in den Job gestartet bin. Da muss ich buchstäblich gähnen, während ich das tippe.

Zum Beispiel hatte ich Fachliteratur und zig Ordner mit Notizen von Schulungen. Ich hatte spießige Anzüge und Kostüme für Geschäftsveranstaltungen, sogar ein langes Abendkleid. All das hatte ich ewig nicht mehr an. Und das war so gar nicht mehr ich.

Das waren alles Spuren der Tage, als ich noch nicht wusste, in welche Richtung es gehen wird.

Aber im Laufe der Jahre habe ich meinen Stil gefunden. Recherchiere im Internet. Mache mir digitale Notizen. Habe ehrlich gesagt nie wieder nach den Schulungen und der Ausbildung in diese Aufzeichnungen reingeguckt.

Jetzt habe ich Klamotten, die locker sind, zueinander passen, perfekt für die gelegentliche Geschäftsanlässe. Mehr Qualität als Quantität.

So, auch diese Lebensphasen … glücklich, freudig, gegangen. *Seufz*

Erleuchtung 2: Dinge für später zu behalten bremst mich im Hier und Jetzt

Eine andere Erleuchtung, die ich beim Entrümpeln hatte, war diese: Sachen für später aufzuheben hält mich davon ab, dass ich sie im Jetzt richtig nutze.

Zum Beispiel: Bücher. Als ich sie las, habe ich gute Ideen markiert und Eselsohren in wichtige Seiten gemacht. Für später.

Aber in all meinen Jahrzehnten des Bücherlesens und Hervorheben und Eselsohren-Knicken habe ich diese Markierungen so gut wie nie wieder genutzt.

Und da ist noch etwas.

Der Gedanke, dass ich eines Tages wieder darauf zurückgreifen kann?! Genau der hält mich davon ab, etwas am heutigen Tag zu machen. Indem ich das Buch für irgendwann einmal behalte, lasse ich mich damit durch, heute nichts zu tun.

Heute lese ich anders. Wenn ich etwas sehe, das ich nachsehen, recherchieren, tun will oder was auch immer, mache ich direkt eine Notiz mein „Kleines Buch für große Ideen“, das ich immer am Bett bzw. in Reichweite liegen habe. Keine Zettelwirtschaft mehr.

Sobald ich jetzt mit einem Buch fertig bin, bin ich wirklich fertig mit diesem Buch. Das fühlt sich … anders an. Und leichter.

Ich versuche mich zu disziplinieren, die Dinge sofort zu machen. Wenn ich etwas in unserer Wohnung nutze, parke ich es nicht mehr irgendwo zwischen. Sondern räume es (fast immer) direkt an seinen Platz zurück. Sei es Küchengeräte, ein Ladegerät, Unterlagen. Warum soll ich es doppelt anfassen? Das kostet nur doppelt Energie und Zeit.

Hmmm, die Gegenwart. Das ist ein Ort, an dem ich hoffentlich viel mehr Zeit verbringen werde.

Erleuchtung 3: Ich brauche etwas von diesem Kram, aber ich weiß noch nicht was und wann

Als ich mich von so vielen Sachen in unserer Wohnung getrennt habe, fing ich an, mir Sorgen zu machen. Und zwar darüber, ob wir diese Dinge nicht doch eines Tages brauchen könnten, die ich in meiner Euphorie weggeworfen habe. Voller Enthusiasmus und bei lauter Musik im ganzen Haus.

Bis ich meine dritte Erleuchtung hatte. Natürlich werden wir einige dieser Dinge brauchen. Daran besteht kein Zweifel. Diese große Vase oder die wirklich lange Verlängerungsschnur oder was auch immer. Aber als ich darüber nachdachte, wurde mir klar, das würden – sagen wir – ungefähr zehn Dinge sein, die wir vermissen würden. Nur konnten wir nicht wissen, welche zehn Dinge das sein werden.

Und diese Erkenntnis machte die Wahl einfach …

Sollte ich lieber all das Zeug behalten für die wenigen Dinge, die ich nochmal brauchen würde,? Oder einfach nur diese speziellen zehn Dinge kaufen, wenn ich sie tatsächlich noch mal brauche?

Sollte ich lieber für den Lagerplatz bezahlen (jeder Häuslebauer weiß, wie viel er pro Quadratmeter Stauraum zahlt). Und zwar doppelt mit der räumlichen Fläche und mit mentaler Unordnung? Oder wollte ich lieber für gelegentliche Ersatzartikel bezahlen?

Also ließen wir alles los. Ich bin jetzt schon neugierig, was uns am Ende tatsächlich fehlen wird. Und glücklich, den vielen zusätzlichen räumlichen und mentalen Platz in der Zwischenzeit bis dahin zu genießen.

Erleuchtung 4: Die Welt hat sich verändert – Zeit mit ihr mitzuhalten

Ich hatte das bestorganisierte, aufgeräumte, farbcodierte Ablagesystem. Aber das habe ich angelegt in einer Zeit, als das noch die einzige Möglichkeit war, etwas nachzusehen indem man durch seinen Papierkram ging. Ja, das war die Pre-Internet Zeit!

Diese antiquierte Methode, die Dinge aufzubewahren, erforderte eine abscheuliche Monstrosität der Hässlichkeit: einen Aktenschrank. *Schüttel*

Also habe ich die wirklich wichtigen – aufbewahrungspflichtigen – Dokumente aussortiert. Pässe, Zeugnisse, Versicherungen, eine Auswahl wichtiger, persönlicher Fotos (das war verdammt schwer!). Den Rest haben wir zerschreddert. Der Aktenschrank ist passé und schmückt nun das Haus von jemand anders.

Wir hatten auch Regale, Kisten und Schubladen voller CDs und DVDs. Ein paar wurden gerettet – mein Mann wird seine Metallica CD-Sammlung und Avangers Blue Ray Discs niemals hergeben. Aber in einem Zeitalter von Amazon Firestick, Netflix, Spotify und iTunes durfte der Rest gehen.

Bücher waren für mich schon härter. Vor kurzem bin ich auf einen E-Reader umgestiegen und hing nur noch aus sentimentalen Gründen an meinen Bücherkisten. Ich liebe den Geruch, das Anfassen und Ansehen von Büchern. Davon hatte ich mal 14 Kisten und den Traum, in meinem eigenen Haus eine ganze Bücherwand zu haben. Ist ja so gemütlich. Und sieht so schlau aus. Jetzt haben wir nur noch die Bücher, die wir gerade lesen und noch ein paar, die etwas Besonderes sind.

Der Verlust der Bücher und CDs war schon etwas traurig. Aber meine neue, Gegenwart-fokussierte Einstellung hat das erleichtert.

Mit der Cloud, Streaming und all diesen Online-Möglichkeiten, ist es sinnvoll, nur von den wesentlichen Dingen physische Versionen zu behalten. Und jetzt finde ich die Dinge plötzlich auch wieder viel einfacher.

Die Freude am Weniger

Ich hatte schon immer Freude an Einfachheit und Minimalismus. Aber diese radikale Entrümpelung war auf einer anderen Ebene – sie hat so viel Spaß gemacht und war wie Balsam für meine Seele.

Und die vier Erleuchtungen, die ich hier beschrieben habe, machten es zu einer einfachen Entscheidung, unsere Besitztümer auf einen Bruchteil dessen zu reduzieren, was sie einmal waren.

Wir freuen uns jetzt, Schränke und Kommoden zu öffnen und eines zu sehen: Platz. Darüber, weniger Möbelstücke zu haben, weil es so viel weniger gibt, das da hinein gehört. Und wir haben Platz für Neues!

Aber noch schöner als der freigeschaufelte Platz war der psychologische Nutzen …

Das Bewusstsein mehr ins Hier und Jetzt zu verschieben.

Das Lösen von Lebensinhalten aus der Vergangenheit. Das hat wirklich befreit. Das Loslassen von Lebensphasen, die einfach nicht mehr das sind, wer wir heute sind.

Das war schon überraschend schön. Und jetzt habe ich verstanden, warum schon Konfuzius sagte „Nur mit einer leeren Hand kannst du Neues greifen.“

Wenn auch du darüber nachdenkst, dein Leben zu vereinfachen, zu reduzieren, dann ermutige ich dich, diesen Schritt zu machen!
Du wirst merken, wie es befreit. Ich verspreche dir – du wirst dich gut fühlen. Ich hoffe, meine vier Erleuchtungen helfen dir auf dem Weg.

Du bist motiviert, brauchst aber noch den ein oder anderen Anschubser? Dann mach doch mit bei meiner 21 Tage Entrümpelung-Challenge. Da bekommst du jeden Tag eine Motivations-Email und viele pragmatische Tipps und Tricks. Gib dir einen Ruck!

Adresse

Anke Otte  
Feng Shui Beratung  
Rathenaustraße 2
22297 Hamburg

Kontakt

01515/9861444  

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